Die wichtigsten Fragen zur Psychoonkologie

 

 

Was ist Psychoonkologie?

 

Die Psychoonkologie ist eine fachübergreifende Disziplin, die den Krebspatienten und auch deren Angehörigen helfen möchte, sich in der völlig neuen Lebenssituation zurechtzufinden. Und das kostenlos und in allen Stadien der Behandlung, von der Diagnose über die Nachsorge bis hin zum Tod.

Die Psychoonkologie befasst sich mit den psychischen, sozialen, verhaltensbezogenen und auch ethischen Aspekten von Krebs. Sie blickt auf die Befindlichkeit des krebskranken Patienten in seiner jeweiligen Lebenssituation und auf seine Bezüge innerhalb seines sozialen Umfeldes. Daraus entwickelt sie Verständnis für die individuelle Reaktion des Betroffenen auf Diagnose, Behandlung, Krankheitsverlauf sowie möglicher daraus resultierender Probleme.

Psychoonkologische Interventionen verbessern die Krankheitsverarbeitung deutlich. Patienten mit psychoonkologischer Betreuung haben eine höhere Lebenserwartung.

 

 

 

 

 

 

Hängen Psyche und Krebs zusammen?

 

Die Vermutung, dass psychische Belastungen sich körperlich auswirken und damit die Gesundheit beeinflussen können, gibt es schon lange, hat sich wissenschaftlich aber nicht bestätigt.

Zwar konnte gezeigt werden, dass einzelne Immunreaktionen sich infolge psychosozialer Belastungen messbar verändern. Auch spielt das Immunsystem im Rahmen der bisher entwickelten Vorstellungen über den Mechanismus der Krebsentstehung tatsächlich eine wichtige Rolle.

Ob und inwiefern belastungsabhängige Veränderungen im Immunsystem für die Entstehung einer Krebserkrankung beim Menschen von Bedeutung sind, ist allerdings wissenschaftlich nicht gesichert.

 

Kummer und Depression als Risikofaktor?

Da zur Entstehung einer Krebserkrankung immer mehrere, bisher nur teilweise bekannte Faktoren zusammenwirken, ist die Gewichtung möglicher psychischer Einflüsse außerordentlich schwierig. Die Annahme, dass Stress und psychologische Belastungen zur Krebsentstehung beitragen, ist bis heute unbewiesen. (Quelle:Stamatiadis-Schmidt u.a. “Thema Krebs”. 3. Aufl. Springer 2006).

 

Gibt es eine  ''Krebspersönlichkeit''?

Definitiv: nein! Die Idee von der “Krebspersönlichkeit” - ... von ... Simonton entwickelt, ist überholt (Quelle: Deutsches Ärzteblatt 2006. Psychologie - Halten und Aushalten). Allerdings hält sich die Vorstellung von Schuld und Versagen bei Krebspatienten hartnäckig. Dennoch sind Krebspatienten besondere Patienten: Sie sind durch die Diagnose existentiell erschüttert und haben in der Regel große Angst. Das kann sich auf sein Verhalten gegenüber Angehörigen, Ärzten und Pflegepersonal auswirken.

 

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Wann ist psychoonkologische Beratung zu empfehlen?

 

Immer, wenn der Patient, die Angehörigen oder Freunde es wollen oder darin eine Chance sehen, mit der schwierigen  Lebenssituation klarzukommen. Die Schwierigkeit für Betroffene (Angehörige und Patienten) besteht darin, dass sie sich für etwas entscheiden müssen, dass sie nicht kennen.

Wichtig: Die Beratung muss immer aus eigenen Antrieb aufgesucht werden und darf nicht durch Druck von aussen erfolgen. Die professionelle Beratung soll das private soziale Unterstützungssystem (Familie, Freunde...) nicht ersetzen, sondern ergänzen.

Das Besondere an der professionellen Beratung: Die Beziehung Klient - Therapeut ist nicht privat. Am Ende der Beratung bleibt also nicht das Gefühl/der Gedanke, etwas schuldig zu sein (wie z. B. bei einem guten Freund oder einer guten Freundin.

 

 

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Wer darf psychoonkologische Beratung anbieten?

 

Die Bezeichnung “Psychoonkologe” oder “psychosoziale Onkologie” ist gesetzlich nicht geschützt. In der Regel arbeiten Ärzte, Psychologen, Sozialpädagogen, Sozialarbeiter, Pflegekräfte, Physiotherapeuten, Kreativtherapeuten, Theologen/Seelsorger und verwandte Berufsgruppen in  der psychoonkologischen Beratung in Kliniken, Rehazentren, Krebsberatungsstellen oder in eigener Praxis.

Wichtig für den Patienten ist es deshalb, vor der Aufnahme der Beratung nach dem jeweiligen Beruf des Psychoonkologen zu fragen. Einen Hinweis auf seine Qualifikation kann auch die Antwort auf die Frage liefern, mit wie vielen Patienten er/sie bereits gearbeitet hat und wo er/sie ausgebildet wurde.

Psychoonkologisch Tätige haben sich in zwei ärztlichen Fachverbänden organisiert:

  • Deutsche Arbeitsgemeinschaft für psychosoziale Onkologie e.V. (dapo, www.dapo-ev.de)
  • Arbeitsgemeinschaft für Psychoonkologie in der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. (PSO, www.pso-ag.de).

Seit Februar 2008 bietet erstmals die Deutsche Psychologen Akademie ein 6-moduliges Fortbildungscurriculum Pschoonkologie in Kooperation mit dem ID Institut für Innovative Gesundheitskonzepte Kassel (www.idinstitut.de) an. Es ist die erste psychoonkologische Ausbildung, die von Psychologen konzipiert wurde.

 

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Was passiert in einer psychoonkologischen Beratung?

 

Das hängt von der jeweiligen Ausbildung der Berater bzw. der Ausrichtung der jeweiligen Beratungsstelle ab (Informationsmöglichkeit: www.nds-krebsgesellschaft.de/Nachsorge/Krebsberatungsstellen).

Im Wesentlichen geht es um Informationen zu medizinischen, pflegerischen und psychologischen Themen, z.B.

  • Krankheitsverarbeitung
  • Angst vor Therapien, Rückfall, Sterben, Schmerzen
  • Umgang mit Körperbildstörungen: Haarverlust, Verlust von Körperteilen, körperliche Schwäche, Übelkeit
  • Umgang mit den Reaktionen des Umfeldes 

Außerdem können sozialrechtliche Fragen geklärt werden wie z.B.

  • Reha-Maßnahmen
  • Schwerbehinderten-Anträge
  • Kostenübernahme durch die Krankenkasse
  • Herstellung von Kontakten (z.B. Sozialdienst, Pflegeüberleitung).

Im Mittelpunkt steht die Frage: Wie kann ich jetzt weiterleben? Deshalb sollte stets Sie der Patient bestimmen können, was das Thema einer Beratungsstunde ist.

 

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Welche psychoonkologischen Therapieformen gibt es?

 

Es gibt keine speziellen psychoonkologischen Therapieformen. Zur Anwendung kommen bereits bestehende Therapieformen wie z.B. Entspannungstechniken, Imaginationsübungen etc., die sich bei vielen Patienten bewährt haben. Grundsätzlich gilt jedoch, dass jeder Patient solange suchen sollte, bis er den Therapeuten/ die Therapeutin mit der Methode findet, die ihm guttut.

Ebenso wichtig wie die Therapieform ist, dass die „Chemie“ zwischen dem Patienten/Klienten und dem Therapeuten stimmt. Fühlen Sie sich im ersten Gespräch mit einem Therapeuten gut aufgehoben, ist das eine bedeutende Voraussetzung für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. Stellt sich in den ersten Gesprächen kein Vertrauensverhältnis ein, sollten Sie einen anderen Therapeuten aufsuchen oder „ausprobieren“.

Mehr zu Therapieformen hier

 

 

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Wie finde ich einen geeigneten Psychoonkologen?

 

Adressen geeigneter und qualifizierter Therapeuten oder therapeutischer Einrichtungen, die Erfahrung mit der Betreuung von Krebspatienten haben, bekommen Sie über ihre betreuenden Onkologen, über die regionalen Krebsberatungsstellen oder von Fachorganisationen, zum Beispiel der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Psychosoziale Onkologie e.V. unter www.dapo-ev.de/adressen.html. Fragen Sie auch das Pflegepersonal, Freunde oder in Selbsthilfegruppen.

 

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Welche Leistungen übernimmt die Krankenkasse?

 

In der ambulanten Versorgung übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen leider nicht für alle wissenschaftlich anerkannten und praktisch bewährten Therapieverfahren die Kosten. Viele qualifiziert ausgebildete Fachleute (z. B. Psychologische Psychotherapeuten) haben trotz Approbation nach dem Psychotherapeutengesetz nicht die Zulassung zur Abrechnung mit den Krankenkassen. Über die Krankenversicherungskarte kann nur eine psychoanalytische Therapie, eine tiefenspychologisch fundierte Therapie oder eine Verhaltenstherapie in Anspruch genommen werden.

Andere wissenschaftlich abgesicherte Methoden wie die Gesprächspsychotherapie, die Gestalttherapie oder die systemische Familientherapie werden von den Kassen bisher nicht übernommen.

In Einrichtungen der stationären Versorgung jedoch werden viele Verfahren eingesetzt, die über die Krankenversicherungskarte nicht finanziert würden. Dort werden sie von den Kostenträgern, z.B. den Krankenkassen, finanziert.

Wenn Sie einen Therapeuten ausgewählt haben, klären Sie schon beim ersten Kontakt die Frage, ob im Fall einer Zusammenarbeit die Krankenkasse die Kosten übernimmt.

 

Approbierte Therapeuten

Den Titel „Psychologischer Psychotherapeut“ darf nur führen, wer als Diplom-Psychologe ein Hochschulstudium der Psychologie abgeschlossen hat und die staatliche Anerkennung seiner psychotherapeutischen Qualifikation durch die Approbation besitzt. (Aufbaustudium, zusätzl. zum Studiengang Diplom-Psychologie, selbstfinanziert). Ausser diesen Psychologen dürfen sich Ärzte als „Psychotherapeut“ bezeichnen, wenn sie nach dem Medizinstudium eine psychotherapeutische Zusatzausbildung absolviert haben. Bei „Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten“ kann die Grundausbildung auch in einem Studium der Pädagogik und Sozialpädagogik bestehen.

 

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    DIE WICHTIGSTEN FRAGEN

Was ist  “Psychoonkologie”?

Hängen Psyche und Krebsentstehung zusammen?

Wann sollte ich pschyoonkologische Unterstüzung in Anspruch nehmen?

Wer darf psychoonkologische Beratung anbieten?

Was passiert in einer psychoonkologischen Beratung?

Welche psychoonkologischen Therapieformen gibt es?

Wie finde ich den geeigneten Psychoonkologen?

Welche Leistungen übernimmt die Krankenkasse?

 

Welche ambulanten Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Was muss ich bei einem Arztbesuch beachten?

Darf ich eine Zweitmeinung einholen?

Was tun bei Schmerzen?

An wen wende ich mich, wenn ich aus dem Krankenhaus entlassen werde?

 

Wie arbeitet die Hospizbewegung?

Wie finde ich Kontakt zu Hospiz-Intiativen?

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Psychoonkologie in Weser-Ems

Das regionale Portal zur Krebsberatung - für Betroffene, Angehörige und Fachkräfte

 

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